Kurz gefasst
- Zwei Blatttypen: sterile Nischenblätter (Schilde) und fertile Geweihblätter — jeder erfüllt eine andere Aufgabe.
- Die Nischenblätter werden mit der Zeit braun — DAS IST NORMAL und sie dürfen nicht entfernt werden.
- Epiphyt: auf einem Brett, auf Rinde oder in einem Korb mit Moos kultivieren, niemals in gewöhnlicher Erde.
- Blüht nicht — er vermehrt sich durch Sporen, die sich in braunen Flecken an den Enden des „Geweihs“ sammeln.
- Gegossen wird durch Tauchen des gesamten Ballens für etwa eine Viertelstunde ins Wasser, nicht durch Übergießen.
- Im polnischen Klima ausschließlich Zimmerpflanze; heller Standort ohne direkte Sonne.
Botanische Daten
- Familie
- Polypodiaceae (Polypodiaceae)
- Höhe
- 0.4–0.9 m
- Breite
- 0.4–1 m
- Wuchsform
- Überhängend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Langsam
- Standort
- Halbschatten
- Boden
- Torfig, Humos
- pH-Wert
- pH 5–6.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- —
- Winterhärte
- —
- Vermehrung
- Durch Teilung, Aus Samen
Merkmale
Die Pflanze hat einen Bau, wie ihn kein anderer verbreiteter Topffarn besitzt: Sie bildet zwei völlig verschiedene Blattarten aus. Die sterilen Nischenblätter sind rund, flach und liegen dem Untergrund schildförmig an — anfangs grün, mit der Zeit werden sie braun und hart und bilden sich überlappende Schichten, die das Rhizom und die Wurzeln schützen sowie in ihrer Tasche Regenwasser und herabfallende organische Reste sammeln. Die Geweihblätter sind überhängend, ledrig, blaugrün und gabelig verzweigt — sie sind es, die an ein Hirschgeweih erinnern und der Pflanze ihren Namen gaben. Ihre Oberfläche bedecken feine, silbrige Härchen, die die Verdunstung mindern. Die Sporangien sammeln sich in braunen, samtigen Flecken auf der Unterseite der Enden des „Geweihs“.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Man gießt nicht „in den Topf“ — der gesamte Ballen (das Brett, der Korb oder die Mooskugel) wird für 10–20 Minuten in lauwarmes, weiches Wasser getaucht und danach abgetropft. Zwischen den Tauchbädern sollte der Untergrund deutlich abtrocknen; ständig nasses Moos unter dem Schild ist der einfachste Weg, die Pflanze zum Faulen zu bringen.
Düngung
Der Dünger wird im Tauchwasser aufgelöst, stets in der halben empfohlenen Konzentration. Im Winter nicht düngen.
Pflanzung
Nicht in gewöhnliche Erde pflanzen. Den Wurzelballen mit Torfmoos (Sphagnum) umhüllen und mit weicher Schnur oder Angelsehne an einem Brett, an Rinde oder an einem Stammstück befestigen, wobei der Schild dem Untergrund anliegt. Alternativ ein Korb oder Topf mit einer sehr durchlässigen Mischung aus Rinde, Torf und Sphagnum.
Schnitt
Ausschließlich vollständig vertrocknete sowie von Fäulnis weiche, geschwärzte Blätter entfernen.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Ebenfalls ein Epiphyt mit nahezu identischem Kulturregime — Tauchbad statt Gießen, durchlässiger Untergrund aus Rinde und diffuses Licht; beide Pflanzen werden auf dieselbe Weise versorgt.
Verträgt dasselbe diffuse Licht und hilft, die Luftfeuchtigkeit rund um den Geweihfarn zu erhöhen, und die überhängenden Triebe harmonieren gut mit dem Geweih des Farns.
Eine Pflanze mit ähnlichen Licht- und Feuchtigkeitsansprüchen, die in der Komposition ein feuchtes Kleinklima schafft, wie es für den Unterwuchs des tropischen Waldes typisch ist.
Schlechte Nachbarschaft
Sie benötigen volle Sonne und extrem trockene Luft — unter diesen Bedingungen vergilben und vertrocknen die Blätter des Geweihfarns.
Der Geweihfarn als Epiphyt benötigt zwischen den Tauchbädern ein deutliches Abtrocknen des Ballens — eine ständig nasse Moosschicht führt zur Fäulnis des Rhizoms.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Keine | — |
| Hunde | Keine | — |
| Katzen | Keine | Gilt als für Haustiere unbedenkliche Pflanze — sie enthält keine bekannten giftigen Substanzen. |
Geschichte und Herkunft
In der Natur sitzt der Geweihfarn hoch oben auf den Ästen der Bäume in den feuchten Wäldern Ostaustraliens, wo er keinen Zugang zum Boden hat — sein ganzer ungewöhnlicher „zweiblättriger“ Bauplan ist die Antwort auf diese Herausforderung: Die sterilen Schilde übernehmen die Rolle eines Korbes für Humus und Wasser und ersetzen der Pflanze den Boden. Nach Europa gelangte er im 19. Jahrhundert mit der Welle der Begeisterung für exotische Farne und wurde rasch zur Zierde der Orangerien. Im angelsächsischen Kulturraum ist er als staghorn fern bekannt, in Polen ist vor allem der volkstümliche Name „róg jelenia“ (Hirschgeweih) gebräuchlich.
Verwendung
Eine Zierpflanze für helle Innenräume, besonders eindrucksvoll auf einem Brett befestigt und als lebendes Bild an die Wand gehängt. Sie bewährt sich auch in Hängekörben und auf Regalen, wo die überhängenden Geweihblätter Platz haben, sich zu entfalten. Hervorragend für helle Badezimmer und andere Räume mit erhöhter Luftfeuchtigkeit.
Wissenswertes
- Die braunen, „toten“ Schilde am Grund der Pflanze sind kein Zeichen von Krankheit oder Vernachlässigung — sie sind ein voll funktionsfähiges Organ. Ihr Absterben ist vorgesehen: Die Schichten trockener Schilde wirken wie ein Korb, der Regenwasser und Humus sammelt, und ersetzen dem Farn damit den Boden, den es auf einem Ast schlicht nicht gibt.
- Der silbrige Belag auf den Blättern ist kein Staub, sondern ein dichter Pelz feinster Härchen, die vor Wasserverdunstung und scharfer Sonne schützen. Das Abwischen des Blattes mit einem Tuch entfernt diesen Schutz, deshalb wird der Geweihfarn niemals poliert.
- Die Kulturweise ist ein Hinweis der Natur selbst: Man befestigt die Pflanze an einem Brett und hängt sie an die Wand, genau so, wie sie sich in der Natur an einem Ast festsetzt — dadurch kann das eindrucksvolle „Geweih“ frei herabhängen.
Häufige Fragen
Die unteren Blätter des Geweihfarns sind braun geworden — soll ich sie abschneiden?
Nein. Das sind die sterilen Nischenblätter (Schilde), die grundsätzlich braun werden und aushärten — dann erfüllen sie gerade ihre eigentliche Aufgabe: Sie schützen das Rhizom und sammeln Wasser und Humus, womit sie der Pflanze den Boden ersetzen. Sie abzureißen legt das Rhizom frei und schwächt den Farn. Entfernen darf man ausschließlich vollständig vertrocknete, geschwärzte und von Fäulnis weiche Blätter.
Wie gießt man einen Geweihfarn auf einem Brett richtig?
Durch Tauchen. Der gesamte Ballen mit dem Moos wird für 10–20 Minuten in lauwarmes, weiches Wasser getaucht, bis sich das Moos vollgesogen hat, danach lässt man ihn abtropfen und hängt ihn zurück. Im Sommer meist einmal wöchentlich, im Winter alle zwei Wochen — immer erst dann, wenn der Untergrund deutlich abgetrocknet ist. Das Übergießen der Pflanze „von oben“ befeuchtet den Ballen nicht, und in der Tasche der Schilde stehendes Wasser begünstigt Fäulnis.
Was sind die braunen Flecken an den Blattenden des Geweihfarns — ist das eine Krankheit?
Das sind die Sporangien, also die Fortpflanzungsstrukturen. Farne blühen nicht und haben keine Samen — sie vermehren sich durch Sporen, und beim Geweihfarn sammeln sich diese in samtigen, braunen Flecken auf der Unterseite der Enden des „Geweihs“. Ihr Erscheinen ist ein Zeichen einer reifen, gesunden Pflanze und keiner Infektion; man sollte sie weder bekämpfen noch abwischen.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO)Datenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Platycerium bifurcatumInstitution / Botanischer Garten
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