Kurz gefasst
- Die Blüten wechseln ihre Farbe von Rosa nach Blau, während die Blüte altert und bestäubt wird.
- Blüht sehr früh, von März bis Mai — eine der ersten Kantinen für Hummeln.
- Die Blätter sind silbrigweiß gefleckt; die Flecken sind Luftpolster unter der Blatthaut.
- Eine schattenliebende Pflanze: Halbschatten und Schatten, humoser und dauerhaft feuchter Boden.
- Bei Trockenheit bekommt es sofort Mehltau — die Rettung sind ein Rückschnitt nach der Blüte und Mulchen.
- Enthält Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden und eignet sich daher nicht für langwierige Kräuterkuren.
Botanische Daten
- Familie
- Boraginaceae (Boraginaceae)
- Höhe
- 0.2–0.3 m
- Breite
- 0.3–0.45 m
- Wuchsform
- Horstbildend
- Wuchsgeschwindigkeit
- Mäßig
- Standort
- Halbschatten, Schatten
- Boden
- Humos, Lehmig
- pH-Wert
- pH 6–7.5
- Feuchtigkeit
- Mäßig, Feucht
- Blütezeit
- März–Mai
- Winterhärte
- USDA 4a–8a
- Vermehrung
- Durch Teilung, Aus Samen
Merkmale
Bildet einen niedrigen, lockeren Horst von 20–30 cm Höhe, der sich langsam mit kurzen Ausläufern ausbreitet. Die Blätter sind rau behaart, eiförmig bis lanzettlich, dunkelgrün und mit unregelmäßigen, silbrigweißen Flecken bedeckt — nach der Blüte wachsen neue, deutlich größere und schöner gefleckte als die des Frühjahrs. Die Blüten sind in eingerollten Wickeln an den Triebspitzen zusammengefasst; sie sind trichterförmig, mit langer Röhre, und öffnen sich rosa oder karminrot, um im Lauf der Tage in Violett und reines Blau überzugehen. Da die Blüten an einem Trieb unterschiedlich alt sind, schimmert der Horst gleichzeitig rosa und blau — das ist das unverwechselbarste Merkmal des Lungenkrauts.
Anbau und Pflege
Bewässerung
Es verträgt keine Austrocknung — in einem trockenen Sommer welken die Blätter und überziehen sich mit Mehltau. Feuchter Boden und eine Mulchschicht sind die wirksamste Vorbeugung gegen die Krankheit, weit besser als jede Spritzung.
Düngung
Eine Schicht Kompost oder gewöhnliches Laub um den Horst. Das Lungenkraut ist eine Pflanze der nährstoffreichen Krautschicht und mag Humus, benötigt aber keine Mineraldünger.
Pflanzung
Die oberste Schicht mit Kompost mischen und mulchen. An einer Stelle pflanzen, die im Sommer beschattet sein wird — am besten unter einem Laubbaum, der im Frühjahr, während der Blütezeit des Lungenkrauts, noch blattlos ist.
Schnitt
Nach der Blüte die ganze Pflanze dicht über dem Boden abschneiden — sie treibt binnen 2–3 Wochen mit einer frischen, gesunden Rosette wunderschön gefleckter Blätter aus, die sich bis in den Herbst hält. Das ist die wichtigste Maßnahme beim Lungenkraut und zugleich das beste Mittel gegen den Mehltau.
Begleitpflanzen
Gute Nachbarschaft
Eine ideale Abfolge: Das Lungenkraut blüht und leuchtet mit gefleckten Blättern im zeitigen Frühjahr, und wenn es im Sommer seine Schönheit verliert, nimmt die entfaltete Funkie seinen Platz im Beet ein. Beide mögen humosen, feuchten Boden im Halbschatten.
Der Farn entfaltet seine Wedel genau dann, wenn das Lungenkraut nach der Blüte zurückgeschnitten wird — gemeinsam halten sie das schattige Beet die ganze Saison über lückenlos grün.
Die Christrose beendet ihre Blüte im März, wenn das Lungenkraut sie beginnt — gemeinsam bieten sie den ersten Insekten ein ununterbrochenes Nektarangebot und dem Beet Blüten von Dezember bis Mai.
Schlechte Nachbarschaft
Äußerst widersprüchliche Ansprüche: Der Lavendel braucht volle Sonne und trockenen Boden, und das Lungenkraut welkt unter solchen Bedingungen und bekommt sofort Mehltau.
Das Maiglöckchen erobert mit Ausläufern die ganze Krautschicht und überwuchert das horstige, langsamer wachsende Lungenkraut, obwohl die Standortansprüche beider Pflanzen übereinstimmen.
Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.
Giftigkeit
| Für wen | Stufe | Hinweise |
|---|---|---|
| Menschen | Leicht | Das Lungenkraut wird bisweilen in der Kräuterheilkunde verwendet, enthält aber als Raublattgewächs Spuren von Pyrrolizidinalkaloiden, die bei langfristiger Einnahme die Leber belasten können. Die moderne Kräuterkunde rät aus diesem Grund von langen Kuren ab; ein gelegentlicher Kontakt oder der Verzehr einer Blüte stellt keine Gefahr dar. |
| Hunde | Leicht | Das Fressen einer größeren Menge rau behaarter Blätter kann den Verdauungstrakt reizen. |
| Katzen | Leicht | — |
Geschichte und Herkunft
Der Gattungsname Pulmonaria (von lat. pulmo — Lunge) und das altpolnische „płucne ziele“ (Lungenkraut) leiten sich von der mittelalterlichen Signaturenlehre her, nach der das Aussehen einer Pflanze ihre Heilbestimmung verraten sollte: Das gefleckte Blatt erinnerte an eine krankhaft veränderte Lunge, also wandte man das Lungenkraut bei Erkrankungen der Atemwege an. Die Schlussfolgerung war falsch, doch das Kraut enthält tatsächlich Schleimstoffe und Saponine, sodass es als den Hals überziehendes Mittel nicht völlig nutzlos war. Der polnische Name „miodunka“ (Honigpflanze) sagt etwas ganz anderes und weit Zuverlässigeres aus — er spricht vom reichlichen Nektar, nach dem früher Kinder griffen, indem sie die Blüten aussaugten.
Verwendung
Für die Krautschicht unter Laubbäumen, für Beete im Halbschatten und Schatten, für naturnahe und Waldgärten sowie für Einfassungen schattiger Wege. In Gruppen gepflanzt bildet es eine wirksame Decke mit dekorativen, gefleckten Blättern, die sich bis in den Herbst hält — unter der Bedingung eines Rückschnitts nach der Blüte. Sehr wertvoll in bestäuberfreundlichen Gärten, denn es blüht dann, wenn die nach dem Winter ausgehungerten Hummeln im Garten wenig zu fressen finden.
Wissenswertes
- Der Farbwechsel der Blüte von Rosa nach Blau ist die Folge einer pH-Änderung in den Vakuolen der Kronblattzellen: Derselbe Anthocyan ist im sauren Milieu rosa und blau, wenn die Reaktion steigt. Für die Insekten ist das eine klare Botschaft — eine rosa Blüte ist frisch und voller Nektar, eine blaue bereits bestäubt und leer. Die Pflanze spart auf diese Weise den Bestäubern Zeit und lenkt sie dorthin, wo es tatsächlich etwas zu holen gibt.
- Die silbrigen Flecken auf den Blättern sind kein Farbstoff — es sind Lufträume unter der Blatthaut, die das Licht anders reflektieren als gewöhnliches Gewebe. Der Effekt ist also rein optisch, wie eine beschlagene Scheibe.
- Das Lungenkraut ist eine heterostyle Pflanze: Manche Exemplare haben Blüten mit langem Griffel und kurzen Staubblättern, andere umgekehrt. Diese Aufteilung sorgt dafür, dass der Pollen an einer anderen Stelle der Hummel haften bleibt und eine Selbstbestäubung wirksam verhindert wird — deshalb setzt ein einzelner Horst im Garten selten Samen an.
Häufige Fragen
Warum haben die Blüten des Lungenkrauts an einer Pflanze unterschiedliche Farben?
Weil sie ihr Alter zeigen. Die Blüte öffnet sich rosa und geht mit der Zeit — und nach der Bestäubung — in Violett und Blau über. Dafür verantwortlich ist eine Änderung der Reaktion in den Zellen des Kronblatts: Derselbe Anthocyan-Farbstoff ist im sauren Milieu rosa und bei höherem pH blau. Für die Hummeln ist das eine praktische Information: Rosa Blüten sind frisch und haben Nektar, blaue sind bereits geleert. Da sich die Blüten am Trieb nacheinander öffnen, schimmert der ganze Horst gleichzeitig rosa und blau.
Die Blätter des Lungenkrauts haben einen weißen Belag bekommen — was tun?
Das ist Echter Mehltau, die Plage des Lungenkrauts, fast immer mit der Austrocknung des Bodens und einem zu hellen Standort verbunden. Die wirksamste Maßnahme ist keine Spritzung, sondern das Abschneiden der ganzen Pflanze dicht über dem Boden gleich nach der Blüte sowie ordentliches Gießen und Mulchen. Innerhalb von 2–3 Wochen treibt das Lungenkraut mit einer gesunden, schöner gefleckten Rosette aus, die bis in den Herbst durchhält. Kehrt der Mehltau jedes Jahr zurück, muss die Pflanze in feuchteren Schatten versetzt werden.
Ist das Lungenkraut eine gute Pflanze für Bienen und Hummeln?
Sehr gut und, was wichtiger ist, es blüht im richtigen Moment — ab März, wenn im Garten noch wenig blüht und die überwinterten Hummelköniginnen Nahrung suchen, um ein Volk zu gründen. Die tiefe Röhre der Blüte sorgt dafür, dass sie vor allem von Insekten mit langen Rüsseln genutzt wird: Hummeln und der Gemeinen Pelzbiene. Die Honigbiene erreicht sie schlechter, besucht sie aber ebenfalls.
Quellen
- Plants of the World Online (POWO) — Pulmonaria officinalisDatenbank (GBIF, POWO…)
- RHS — Pulmonaria officinalisInstitution / Botanischer Garten
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