Kleines Immergrün

Vinca minor · Lesser periwinkle (EN) · Kleines Immergrün (DE)

Das Kleine Immergrün (Vinca minor) ist eine immergrüne, kriechende Bodendecker-Staude mit ledrigen, glänzenden Blättern und blauvioletten Blüten, die im Schatten und Halbschatten einen dauerhaften Teppich bildet — eine der wirksamsten Pflanzen zur Begrünung schwieriger Stellen unter Bäumen.

Halbschatten/Schatten Mäßig Wasser USDA 4a–9a Giftig
Bewässerungsrechner

Kurz gefasst

  • Klassischer Bodendecker für Schatten und Halbschatten — er kommt dort zurecht, wo Rasen versagt.
  • Immergrün: Der Blattteppich schmückt das Beet auch im Winter.
  • Blüht von April bis Juni, einzelne Blüten erscheinen bis in den Herbst.
  • Ausbreitungsfreudig — die Triebe wurzeln an den Knoten, er wächst also ungehindert in die Breite.
  • In Nordamerika gilt er als invasive Art, die die heimische Waldflora verdrängt; in Europa ist er heimisch.
  • Enthält Alkaloide — leicht giftig für Menschen und Haustiere.

Botanische Daten

Familie
Apocynaceae (Apocynaceae)
Höhe
0.1–0.2 m
Breite
0.5–1.5 m
Wuchsform
Kriechend
Wuchsgeschwindigkeit
Schnell
Standort
Halbschatten, Schatten
Boden
Humos, Lehmig, Sandig
pH-Wert
pH 5.5–7.5
Feuchtigkeit
Mäßig, Feucht
Blütezeit
April–Juni
Winterhärte
USDA 4a–9a
Vermehrung
Aus Stecklingen, Durch Absenker, Durch Teilung

Merkmale

Bildet einen niedrigen, dichten Teppich von 10–20 cm Höhe aus langen, kriechenden Trieben, die an den Knoten wurzeln und über einen Meter lang werden können. Die Blätter sind gegenständig, elliptisch, ledrig und glänzend, dunkelgrün und halten den ganzen Winter über durch. Die einzeln stehenden Blüten mit einem Durchmesser von 2–3 cm haben fünf asymmetrisch gedrehte, gestutzte Kronblätter — dieses charakteristische „Windrädchen“ unterscheidet das Immergrün von ähnlichen Bodendeckern. Es wächst an aufrechten Blütentrieben, die sich über den Teppich erheben.

Anbau und Pflege

Bewässerung

Nach dem Schluss des Teppichs braucht er praktisch kein Gießen — die Streu aus eigenem Laub und der Schatten begrenzen die Verdunstung. Gegossen werden muss vor allem im ersten Jahr nach der Pflanzung sowie bei langer Trockenheit unter flach wurzelnden Bäumen.

Im Sommer alle ~10 Tage · Trockenheitstoleranz: Mittel

Düngung

Eine dünne Kompostschicht über den Teppich verteilt. Stickstoffdüngung beschleunigt das Wachstum, doch das Immergrün ist ohnehin ausbreitungsfreudig — meist ist sie nicht nötig.

alle 2–3 Jahre, im Frühjahr · kompost, przekompostowana kora

Pflanzung

Den Standort von Wurzelunkräutern (Quecke, Giersch) befreien — nach dem Schluss des Immergrüns wird ihr Jäten sehr schwierig. Die oberste Schicht mit Kompost mischen und bis zum Schluss des Bestandes mulchen.

Zeitpunkt: April–Mai oder September–Oktober · Abstand 25–35 cm

Schnitt

Einen vernachlässigten, verflachten Teppich kann man mit dem Rasenmäher auf höchster Stufe mähen — das Immergrün baut sich schnell wieder auf und wird dichter. Über das Beet hinauswachsende Triebe samt bewurzelten Knoten am Rand abschneiden.

Zeitpunkt: Im Vorfrühling (März), vor dem Austrieb, sowie bei Bedarf während der ganzen Saison an den Rändern. · Achtung: Keine Triebe frei in Richtung Rasen, Staudenbeet oder — besonders — angrenzenden Wald wurzeln lassen. Ausgerissene Triebe nicht auf den Kompost am Waldrand oder in den Graben werfen: Jeder Knoten mit Wurzel ist eine neue Pflanze.

Begleitpflanzen

Gute Nachbarschaft

Laubbäume mit tiefem Wurzelsystem (z. B. Eiche, Linde)Praktische Beobachtung

Das Immergrün ist eine der wenigen Pflanzen, die im trockenen Schatten unter Baumkronen einen geschlossenen Teppich bilden, wo Rasen nicht wachsen will.

OsterglockePraktische Beobachtung

Die Zwiebeln durchstoßen im Frühjahr den immergrünen Teppich des Immergrüns, der später ihr vergilbendes Laub verdeckt — eine bewährte Kombination für Parkpflanzungen.

Herzblättrige BergeniePraktische Beobachtung

Die großen, ledrigen Blätter der Bergenie geben dem kleinblättrigen Teppich einen starken Kontrast und sind kräftig genug, dass das Immergrün sie nicht überwuchert.

Schlechte Nachbarschaft

Japanischer YsanderPraktische Beobachtung

Zwei Bodendecker mit denselben Ansprüchen, aber extrem unterschiedlichem Tempo — das schnelle Immergrün überwächst den langsam wachsenden Ysander, bevor dieser den Bestand schließen kann.

Niedrige, langsam wachsende schattenliebende Stauden (z. B. kleine Primeln, Anemonen)Praktische Beobachtung

Die ausbreitungsfreudigen, an den Knoten wurzelnden Triebe des Immergrüns überwuchern zarte Pflanzen der Krautschicht und verdrängen sie innerhalb von 2–3 Saisons.

Die Belegstufe zeigt an, ob der Zusammenhang durch Studien, Beobachtung oder gärtnerische Tradition gestützt ist.

Giftigkeit

Für wenStufeHinweise
Menschen Leicht Die ganze Pflanze enthält Indolalkaloide (u. a. Vincamin). Der Verzehr größerer Blattmengen kann Übelkeit, Erbrechen und Blutdruckabfall hervorrufen. Vergiftungen sind selten — die Pflanze ist sehr bitter und lädt nicht zum Verzehr ein.
Hunde Leicht Der Verzehr von Trieben kann Erbrechen, Durchfall und Schwäche verursachen. Bei größeren Mengen sollte man einen Tierarzt kontaktieren.
Katzen Leicht Symptome wie bei Hunden; Katzen greifen wegen des bitteren Geschmacks selten zu dieser Pflanze.

Geschichte und Herkunft

In Europa seit dem Mittelalter eine Ritual- und Symbolpflanze — auf Gräber gepflanzt und in Kränze geflochten als Zeichen ewigen Gedenkens, eben wegen der immergrünen Blätter. Nach Nordamerika gelangte sie im 18. Jahrhundert mit den Siedlern als Garten- und Friedhofspflanze; heute ist sie aus der Kultur entwichen und steht in vielen US-Bundesstaaten auf den Listen invasiver Arten, weil sie in den Wäldern dichte Teppiche bildet, die die Verjüngung der heimischen Krautschicht blockieren. Das ist ein gutes Beispiel für eine Pflanze, die in ihrer Heimat ein gewöhnlicher Bestandteil des Ökosystems ist und außerhalb davon zum Problem wird.

Verwendung

Zur Begrünung von Flächen im Schatten und Halbschatten: unter Bäumen, an Böschungen, in Parks, entlang von Mauern und an Beeträndern. Bewährt sich als Unterpflanzung unter Laubsträuchern und zwischen großen schattenliebenden Stauden. Wegen seiner Ausbreitungsfreude weist man ihm am besten eine abgegrenzte Fläche zu oder begrenzt ihn durch Randeinfassungen.

Wissenswertes

  • Das aus den Immergrün-Blättern isolierte Alkaloid Vincamin wurde zum Ausgangspunkt für die Herstellung eines Medikaments zur Verbesserung der Hirndurchblutung (Vinpocetin). Es ist ein Rohstoff der pharmazeutischen Industrie und kein Kraut für hausgemachte Aufgüsse — die eigenmächtige Anwendung ist gefährlich.
  • Unter polnischen Bedingungen setzt das Immergrün fast keine Samen an und verbreitet sich nahezu ausschließlich über die wurzelnden Triebe. Alte, einzeln stehende Teppiche im Wald verraten oft die Stelle eines längst zerstörten Guts oder Friedhofs.

Häufige Fragen

Wie schnell bedeckt das Immergrün die Fläche?

Bei einem Pflanzabstand von 25–35 cm entsteht ein geschlossener Teppich meist in der zweiten, spätestens dritten Saison — das ist deutlich schneller als beim Japanischen Ysander, der dafür bis zu 3 Jahre braucht. Mulchen und Gießen im ersten Jahr beschleunigen den Schluss des Bestandes merklich.

Ist das Immergrün invasiv und kann man es in Polen bedenkenlos pflanzen?

In Polen ist das Immergrün eine heimische Art und steht nicht auf der Liste invasiver Pflanzen — es im Garten zu pflanzen ist in Ordnung. Man sollte jedoch bedenken, dass es sich im Garten ausbreitungsfreudig verhält und in benachbarte Beete eindringen kann, während es in Nordamerika, wo es gebietsfremd ist, als invasive Art gilt, die die Waldkrautschicht verdrängt. Man sollte seine Triebe nicht am Waldrand entsorgen — jeder Knoten bewurzelt sich selbständig.

Ist das Immergrün für Hund oder Katze giftig?

Ja, aber in leichtem Maße. Es enthält Indolalkaloide, deren Verzehr Erbrechen, Durchfall und Schwäche auslösen kann. Die Pflanze ist sehr bitter, deshalb kommt es selten zu schweren Vergiftungen — dennoch sollte man bei Aufnahme größerer Mengen einen Tierarzt konsultieren.

Quellen

Bearbeitung:Redakcja Atlas-Flora. Aktualisierung: 16.7.2026.

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